09.09.2010  | Es sind 93 Personen online, davon 0 angemeldet.

Literaturliste „Armut bei Kindern"

Bücher:

Chasse: Meine Familie ist arm

Butterwegge: Kinderarmut und Generationengerechtigkeit

Butterwegge: Kinderarmut in Ost- und Westdeutschland

Mayer-Gräfe u.a.: Steckbriefe von Armut

„Armut macht krank"

EKD-Denkschrift „erechte Teilhabe"
 

Gutachten und Links

Gutachten von Hauser u.a.; zu finden: Internetseite UNI Frankfurt oder Internetseite von Bundesagentur für Soziales (war Grundlage für 3. Armutsbericht!)

www.kindergipfel.info

www.zentrumbildung-ekhn.de

Armut bei Kindern - Einführung

  • Mehr als die Hälfte aller bundesdeutschen Kinder bis 10 Jahre lebte 2002 in prekären Einkommensverhältnissen (75%-Schwelle) - (Nach Goebel / Habich / Krause: Einkommen - Verteilung, Armut und Dynamik. In: Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Datenreport 2004; Bonn, Band 376 2 Ebd. )
  • unter der Armutsgrenze 2002 - mit stark steigender Tendenz
  • Es gibt in Deutschland große regionale Unterschiede: 
    • Berlin 37,6% der Kinder unter 15 Jahren leben von Sozialhilfe im Juli 2007 
    • Bremen 31,9% 
    • Sachsen-Anhalt 31,9% 
    • Bayern 8,2 %

Armut ist bei uns keine absolute Armut, d.h. Kinder sterben bei uns nicht aufgrund von Hunger oder leicht zu behandelnden Krankheiten. Aber es gibt immer mehr relative Armut: d.h. arm im Vergleich zur übrigen Gesellschaft.

Arme Kinder finden wir in folgenden Familienverhältnissen:

  • bei ihrer alleinerziehenden Mutter (selten Vater)
  • in Familien mit mehr als drei Kindern
  • in Familien mit Migrationshintergrund

Risikofaktoren für Armut sind demnach:

  • (anhaltende) Arbeitslosigkeit
  • Niedrigeinkommen
  • Alleinerziehende
  • Migration
  • Kinder

Bei Kindern kommt von der Armut der Eltern an:

  • Materieller Spielraum
    Kleine Wohnung, wenig oder abgetragene Kleidung, teilweise nicht der Jahreszeit entsprechend, schlechte Ernährung
     
  • Soziale Kompetenz / Umfeld
    Aufgrund des fehlenden Geldes können diese Kinder nicht in Vereinen, in Musikschule usw. mit dabei sein. Auch die Eltern ziehen sich aus dem öffentlichen Leben zurück. Sie gehen nicht auf Kindergeburtstage, weil sie ein Geschenk mitbringen müssten und laden ungern Freunde ein, weil man ja nichts zu bieten hat bzw. die Armut verstecken will. Aufgrund der fehlenden Beziehungen kann sich soziale Kompetenz nicht entwickeln bzw. die Kinder haben oft ein negatives Selbstbild, weil sie keine Freunde haben.
     
  • Psychische und physische Gesundheit leidet
    Durch schlechte Ernährung und fehlende Bewegung leidet die Gesundheit. Aufgrund fehlender Anregung (Spielsachen, Verein, Zuwendung...), fehlender Beziehungen und das Erleben der oft überforderten Eltern, leidet die psychische Entwicklung des Kindes.
     
  • Kulturell / Bildung
    Durch die fehlenden sozialen Bindungen bzw. wenig sinnvolle Anregung leidet auch die Entwicklung von Sprache und Wissensaneignung. Damit fehlen wichtige Grundlagen für die Schulbildung. Diese kann wegen Geldmangel auch nicht durch Nachhilfe aufgefangen werden. Auch die Bildung, die Kinder in Vereinen und beim Lesen im Blick auf unsere Kultur lernen, fehlt.
     
  • Persönlichkeitsentwicklung insgesamt ist stark beeinträchtigt

Brisant an der Kinderarmut ist also:

  • Kinder sind immer unverschuldet arm 
  • Kinder werden in ihrer gesamten Entwicklung beeinträchtigt und haben so eine schlechte Ausgangslage und wenig positive Perspektiven für ihr Leben
  • Armut wird vererbt: Kinder, die in armen Familien aufwachsen, haben durch 
    • soziale Ausgrenzung, 
    • niedrige Bildungsabschlüsse
    • und geringere soziale Entwicklungsmöglichkeiten

schlechtere Chancen im Leben und landen oft wieder bei der Sozialhilfe oder schlecht bezahlten Arbeiten

ABER: Kindspezifische Unterstützung ist möglich!!! D.h. es ist möglich, die Kinder zu unterstützen,

  • dass sie die negativen Erfahrungen durch positive ausgleichen können.
  • dass fehlende Anregungen im Elternhaus durch gute Angebote an anderer Stelle ausgeglichen werden kann
  • dass beeinträchtige Entwicklungen durch Erfahrungen in anderen Zusammenhängen gefördert werden können

Dies ist z.B. möglich durch positive Beziehungen zu den Großeltern, zum getrenntlebenden Elternteil (der nicht unbedingt in Armut lebt), befreundete Familien

Nicht zu vergessen ist, dass auch Jugendverbände mit ihren Angeboten Unterstützung für die positive Entwicklung dieser Kinder sein können!

Wenn ein Kind in der Jungschar erlebt, dass es willkommen ist.

Wenn es bei der Kibiwo neue Angebote beim Basteln kennen lernt und merkt, dass ihm singen und musizieren unendlich Spaß macht.

Wenn es in der Kinderkirche Antworten auf Fragen bekommt, wenn es spürt, hier ist jemand, der sich für meine Fragen Zeit nimmt.

Deshalb wollen wir als Fachausschuss auf dieses Thema aufmerksam machen:

Wir wollen bewusst machen, dass es Kinder gibt, die in Armut leben - auch in Baden-Württemberg.

Wir wollen Mut machen, hinzuschauen und nicht wegzuschauen.

Wir wollen Mut machen, ausgegrenzte Kinder einzuladen.

Wir wollen Möglichkeiten aufzeigen, diesen Kindern einen Zugang zu unseren Gruppen und Freizeiten zu ermöglichen.

Für den Fachausschuss "Arbeit mit Kindern": Beate Strinz
Projektreferentin im ejw

Evangelischer Kirchenbezirk BrackenheimEvangelisches Jugendwerk in Württemberg