begegnen • begleiten • befähigen

Wanderfreizeit

Auf der BERGE ERLEBEN – WANDERFREIZEIT, die dieses Jahr zum ersten Mal stattfand,
erkundeten neun junge Erwachsene die Gegend im und um das Tannheimer Tal im Norden
Tirols. Das Tal liegt auf etwa 1.100 m Höhe, ist weitläufig und wird von sanften Almen,
tiefgrünen Wäldern und markanten Gipfeln der Allgäuer Alpen eingerahmt.
Als Basislager diente uns das Haldenseehaus der DAV-Sektion Hohenstaufen-Göppingen, ein
gemütliches Selbstversorgerhaus in Nesselwängle. Von dort starteten wir nach dem
Frühstück in unsere täglichen Aktivitäten. Abends kamen wir in einer Impulsreihe ins
Gespräch darüber, was jeder in seinem „Lebens- und Glaubensrucksack“ mit sich trägt:
Erfahrungen, Zweifel, Dankbarkeit, aber auch Vertrauen und Hoffnung. Dabei wurde deutlich,
dass dieser Rucksack manchmal schwer sein kann – aber auch voller wertvoller Dinge steckt,
die uns auf unserem Weg tragen und stärken.


Der erste Tag begann mit einer gemeinsamen Wanderung zum Wertacher Hörnle und weiter
zum nahe gelegenen Spiesser – ein idealer Einstieg: nicht zu steil, nicht zu lang, gerade
richtig, um die Waden auf Betriebstemperatur zu bringen.
Am zweiten Tag wurde es sportlicher. Eine Gruppe nahm unseren „Hausberg“ in Angriff – die
Rot Flüh. Der 2.108 m hohe Riese verlangte einiges ab: Almwiesen, Schotterfelder, steile
Passagen und Kraxeleien mit Drahtseilsicherung – kurzum: das volle Bergprogramm. Der
Aufstieg klappte reibungslos, und die Aussicht war grandios … bis kurz vor dem Gipfel eine
Wolke beschloss, die Hauptrolle zu übernehmen. Statt Bergkino gab’s Nebel. Doch die
Stimmung blieb bestens – denn ein Gipfel bleibt ein Gipfel, ganz gleich ob im Panorama- oder
im Grau-in-Grau-Modus.


Die zweite Gruppe hatte an diesem Tag leider auch nicht mehr Glück. Ihr Weg führte vom
Vilsalpsee über den Traualpsee hinauf zur Landsberger Hütte. Zunächst zeigte sich das Wetter
von seiner besten Seite: trocken, klare Sicht und ein Bilderbuchpanorama über die Bergseen
– perfekte Bedingungen für den Aufstieg. Doch kaum war bei Apfelstrudel mit Vanillesoße
eine kleine Pause eingelegt, zog der Nebel ins Hochtal. Beim Verlassen der Hütte war das
Bergpanorama verschwunden. So stiegen sie weiter zur Schochenspitze auf und wurden dort
mit einer Wolkenwand in 3D-Graustufen empfangen. Egal – der Gipfel lag auf 2.069 m, und
für einige war es das erste Mal, auf einem so hohen Berg zu stehen. Ein Highlight am
Wegesrand waren die Edelweiße, die zeigten: Auch im Nebel lässt sich Schönes entdecken.
Weiter ging es in Richtung Neunerköpfle – weiterhin im Nebel. Immerhin blieb genug
Fantasie, sich vorzustellen, wie atemberaubend die Aussicht bei Sonnenschein gewesen
wäre. Am Neunerköpfle angekommen, war die Abfahrt mit der Gondel geplant. Doch unsere
Gästekarte war dafür nicht gültig – und so zwang uns unser schwäbisches Herz, die 7 km ins
Tal zu Fuß zurückzulegen. Am Ende standen stolze 20 km und 1.200 hm in den Büchern – ein
Fitnessprogramm, das jedes Studio blass aussehen lässt.


Nach zwei aktiven Tagen gönnte sich ein Teil der Gruppe am letzten Tag Erholung in der
Therme in Sonthofen: Sauna, Schwimmen, Entspannung pur. Währenddessen machte sich
die andere Gruppe auf nach Grän, um den traditionellen Almabtrieb mitzuerleben – Kühe mit
Blumenschmuck, Musik und Festzeltstimmung inklusive.


Und so ging am Sonntag nach dem Frühstück ein erlebnisreiches verlängertes Wochenende
zu Ende: mit müden Beinen, guten Gesprächen, lebendiger Gemeinschaft – und dem Vorsatz,
irgendwann wiederzukommen. Denn eines ist sicher: Das Tannheimer Tal kann nicht nur
Nebel. Und falls doch, reicht uns immer noch ein Apfelstrudel mit Vanillesoße als Aussicht.